Reisen
- 1:
Thailand 2006. - 2:
Malaysia 2006. - 3:
Australien 2006. - 4:
Neuseeland 2005/2006. - 5:
West-Amerika 2005. - 6:
West-Kanada 2005.- 6.1:
Reisetagebuch. - 6.2:
Juli-Bericht. - 6.3:
August-Bericht. - 6.4:
Holzindustrie. - 6.5:
Bildergalerie. - 6.6:
Landkarte. - 6.7:
Kanada-Infos.
- 6.1:
- 7:
Mallorca 2005. - 8:
Norddeutschland 2004. - 9:
Oberitalien 2003. - 10:
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Australien 1995. - 16:
Neuseeland 1995. - 17:
Oesterreich 1993. - 18:
Schweiz 1993. - 19:
Norwegen 1992.
Juli Reisebericht West-Kanada 2005
Der Flug nach Vancouver klappt prima und da jeder Sitz einen eigenen Fernseher mit 18 auswaehlbaren Filmen hat, wird es uns auch nicht langweilig.
Wir checken im Jericho Beach Hostel ein, welches an sich ganz cool ist. Allerdings hat Lukas am naechsten Tag den ganzen Koerper voll mit roten Stichen. Wir denken erst an Mueckenstiche. Im Verlaufe der naechsten beiden Tage werden die Stiche jedoch immer schlimmer und es bilden sich Blasen auf den Stichen. Als Lukas dann auch noch leichtes Fieber bekommt und sich muede und krank fuehlt, gehen wir zum Doktor. Es ist eine allergische Reaktion auf Viecher im Bett!
So ist unsere erste Zeit in Vancouver bereits recht aufregend und nicht grad lustig. Ansonsten gefaellt uns Vancouver recht gut, besonders der Stanley Park. Etwas aufregend war die Hastings Street zwischen Gastown und Chinatown. Da laufen wir nichts ahnend zwischen zwei Tourispots und geraten voll ins Drogenmilieu. Wir waren echt froh, dass noch andere Touristen hinter uns waren und wir Tageslicht hatten.
Wir holen das Tandem bei Panalpina ab, was prima klappt. Das Zusammensetzen des Tandems ist dann etwas aufwaendiger. Irgendwie sind da ploetzlich mehr Schrauben als beim Auseinandernehmen...
Am Dienstag, den 5. Juli fahren wir dann los und wir sind richtig giggerig, dass unser Trip jetzt richtig losgeht. Am Nachmittag beginnt es dann leider recht heftig zu regnen, weswegen wir bereits die erste Nacht in einem Motel verbringen. Es ist herrlich, nicht ganz das Britannia Bournemouth, doch wir machen uns etwas Sorgen wegen unserem Reisebudget. Dafuer sparen wir beim Nachtessen: Im Motel hat es naemlich eine Kueche, wo wir Spaghetti kochen.
Am naechsten Tag fahren wir wieder nur wenige Kilometer und machen uns einen gemuetlichen Nachmittag auf dem Zeltplatz in Purpoise Bay. Wir sind begeistert vom Zeltplatz: so viel Platz nur fuer uns allein und Velostaender und Dusche! Und dies alles fuer lumpige 10 Dollar! Abends sind wir ganz schoen ueberrascht, als wir eine Schlange sehen. Na ja, wir hatten eher mit Baeren gerechnet. Es handelt sich aber um eine Gartenschlange, mit welchen die Kindern sogar spielen.
Der grosse Skandal des naechsten Radeltages ist der traurige Verlust unserer Schweizerfahne am Anhaenger. Na ja vielleicht waren 78 Stundenkilometer doch etwas schnell! Gluecklicherweise finden wir etwa 500 Meter weiter eine Kanadafahne am Strassenrand, welche wir dann befestigen. Bis zum Ende dieses Monats haben wir leider noch keine neue Schweizerfahne finden koennen. Ivo, ein Schweizer hat uns angeboten, sein Schweizer-T-Shirt zu verschneiden. Allerdings erst nach dem 1. August. Sie sind in die gleiche Richtung unterwegs wie wir, allerdings mit dem Wohnmobil, so dass wir sie bis jetzt nicht mehr getroffen haben...
Am Samstag, 9. Juli setzen wir nach Vancouver Island ueber. In Campell River treffen wir unsere ersten Tourenradler, die seit langem unterwegs sind: Gwendall (seit 17 Monaten unterwegs von Suedamerika nach Alaska) und Tanja (seit 10 Monaten) unterwegs. Die beiden werden seit Vancouver von Gwendalls Bruder Mael begleitet. Wir sprechen kurz auf der Strasse und ahnen noch nicht, dass wir sie wiedersehen werden. Ebenfalls treffen wir auf dem Zeltplatz eine deutsches Paerchen mit einem 4-jaehrigen Jungen, die ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs sind auf dem Weg nach Mexico. Vielleicht sehen wir auch sie wieder an der Kueste Amerikas. Wer weiss? Am Morgen sind uebrigens zwei der Velotaschen der deutschen Familie verschwunden. Eine mit Food, eine mit Kocher und Werkzeug etc. Die Tasche ohne Food taucht etwas spaeter im Gebuesch wieder auf. Die andere bleibt bis zu unserer Abfahrt verschwunden. Komisch!
Der Norden von Vancouver Island ist gepraegt durch schlechtes Wetter. Regen, Regen nichts als Regen. Die Landschaft gefaellt uns jedoch sehr gut. Wir finden all den Wald grandios und gar nicht langweilig wie in unserem Fuehrer beschrieben. Wir zelten all die Zeit und obwohl unser Zelt ja dicht ist, wird alles Zeug von Tag zu Tag feuchter und die Motivation steigt auch nicht grad. Es ist erstaunlich wie viele Tourenradler dennoch anzutreffen sind: an einem Tag treffen wir deren vier (alle von Alaska kommend).
Wir haben unseren ersten Platten beim Anhaenger (der erste Platten den wir ueberhaupt beim Anhaenger haben, seit wir diesen besitzen). Der Reifen ist total hinueber, so dass wir ihn gleich ersetzen und uns fragen, warum wir diesen nicht noch in der Schweiz ersetzt haben.
In Telegraph Cove lernen wir die Familie Broder aus Bern kennen. Sie sind mit drei Kindern fuer drei Monate auf Reise. Dafuer mussten sie die Kinder zwischen den Sommer- und Herbstferien aus der Schule nehmen. Broders kommen zur selben Zeit wie wir auf eine Whale Watching Tour. Diese ist grandios. Erst sehen wir nur immer wieder eine paar Flossen und Ruecken von Killerwalen auf und untertauchen. Und grad als dies langsam langweilig erscheint, passiert das Wunderbare: die Wale springen ganz nah bei unserem Boot aus dem Wasser. Sie spielen richtig miteinander, unbeeindruckt von ihren Beobachtern. Fuer uns ist es ein echt beeindruckendes Erlebnis. Lukas ist vor allem stolz (und dies zu recht) auf sein Foto von einem springenden Wal. Edith war hingegen viel zu aufgeregt. Bis sie abgedrueckt hatte, waren die Wale schon abgetaucht und nur noch eine Schaumspur oder Schwanzflosse zu sehen. Den Abend verbringen wir mit Broders, und Stoeffus Gemuesereis ist fantastisch!
In einem Cafe essen wir mit der Broder Familie Fruehstueck. Sie fahren wie wir nach Port Hardy. Nur sind sie mit dem Auto minim schneller. Dafuer sehen wir zwei Schwarzbaeren. Der erste ist etwas weiter weg, worueber wir gar nicht so ungluecklich sind. Der zweite ist dafuer nah: auf der anderen Strassenseite ca. 10 Meter von uns entfernt. Edith moechte gerne kurz anhalten, um den Baeren zu zoomen. Doch es reicht nur fuer ein Schussfoto ohne Zoom, da Lukas wie ein Wahnsinniger in die Pedale tritt... Grad als wir auf dem Zeltplatz angekommen sind, kommen die Broders mit dem Apero auf den Zeltplatz. Da sie nachher ohne Auto weiterreisen, koennen sie auf diese Weise noch ihr restliches Bier vernichten. Ausserdem kennen sie bereits unsere Lieblingschips (Pringles sour cream and onion) und bringen sie mit.
Den naechsten Tag wollen wir in Port Hardy verbringen, da die Faehre nach Prince Rupert nur alle zwei Tage faehrt. Am Nachmittag nimmt uns die Broder Familie mit dem Auto mit in den Cape Scott Provincial Park. Der Weg dorthin ist nur lausige 65 km weit, doch wir brauchen fuer einen Weg anderthalb Stunden, da alles gravelroad ist. Dafuer sehen wir drei weitere Schwarzbaeren am Strassenrand. Im Provincial Park wandern wir einen wunderbaren Weg an einen schoenen Strand und sind froh, dass diesmal die Baeren im Gebuesch versteckt bleiben. Dafuer hat Lukas Pech. Seine Teva-Sandalen gehen naemlich kaputt.
Am Sonntag, den 17. Juli fahren wir mit der Faehre nach Prince Rupert. Die Faehre legt bereits um 7.30 Uhr ab und man muss eine Stunde vorher einchecken. So heisst es frueh aufstehen und zusammenpacken. Neben uns hat zum Glueck gleich ein weiteres Radlerpaerchen denselben Plan. So kann man nicht verschlafen! Es sind Marcel ( seit 5 Jahren mit dem Velo unterwegs) und Maria (seit 2 Jahren mit dem Velo unterwegs). Die Fahrt auf der Faehre dauert 15 Stunden. An sich ist die Landschaft schoen, doch sie veraendert sich kaum, so dass es recht schnell langweilig wird. Auch eine einsame Walflosse kann uns nach unserer Waltour nicht mehr beeindrucken. Dafuer haben wir gute Unterhaltung mit der Broder Familie. Als wir um 22.30 in Prince Rupert ankommen troepfelt es leicht und wir gehen grad auf den Zeltplatz. Neben uns zelten gleich Marcel und Maria unter einem gedeckten Platz. Es stellt sich heraus, dass sie auf Gwendall und Tanja warten, die wir in Campell River getroffen haben. Sie kennen sich von Suedamerika. Die Welt ist klein, insbesondere die Radlerwelt!
In Prince Rupert wollen wir am naechsten Tag neue Sandalen fuer Lukas und einen neuen Pneu fuer den Anhaenger kaufen. Beides erfolglos. Dafuer verbringen wir etwa 3 Stunden in einem Internetcafe. Die Broder Familie sehen wir den ganzen Tag nicht, dafuer tauchen sie abends bei uns auf dem Zeltplatz auf und wir kochen zusammen Gschwellti, bevor sie dann mit der Faehre auf die Queen Charlotte Island aufbrechen. Ebenfalls von der Queen Charlotte Island kommen an diesem Abend Tanja, Gwendall und Mael. So haben wir ein lustiges Radlercamp beisammen.
Alle Radler brechen am naechsten Tag nach Terrace auf. Wir starten zuerst und sehen die anderen den ganzen Tag nicht. Es ist aber auch eine Tandemrennpiste: alles flach und Rueckenwind, so dass wir locker 100 Kilometer radeln. Terrace ist 150 Kilometer von Prince Rupert entfernt und dazwischen ist weder ein Zeltplatz noch eine Einkaufsmoeglichkeit. Wir beschliessen bei einem Provincial Park, bei dem Zelten eigentlich nicht vorgesehen ist, trotzdem zu zelten. Als ein paar Toeffahrer dort Pause machen, sagen wir ihnen sie moegen doch den ihnen entgegen kommenden Radlern ausrichten, wo wir sind. Und tatsaechlich tauchen alle Radler abends bei uns auf. Wir sind froh, nicht alleine dort zelten zu muessen.
Am naechsten Tag fahren wir alle gemeinsam nach Terrace. Zum Glueck sind es nur gut 50 km, denn wir muessen uns echt Muehe geben mit dem Tempo der Langzeitradler mitzuhalten. Marcel flitzt die Huegel rauf wie eine Rakete. Und Gwendall filmt sogar beim Aufwaertsfahern. Dies sieht allerdings manchmal furchteinfloessend aus! Richtig gelesen, Gwendall fuehrt eine Videokamera mit sich und zwar keine kleine, digitale sodern ein altes Riesengestell. Ausserdem hat er einen Wok und einen Dampfkochtopf dabei. Dafuer hat er ab unserer " on board Stereoanlage" nicht schlecht gestaunt. In Terrace kaufen wir einen neuen Pneu fuer den Anhaenger. Dem "canadian tyre" sei dank.
Am folgenden Tag taucht einfach kein Zeltplatz auf, so dass wir ueber 100 Kilometer fahren muessen. Da bin ich dann schon etwas kaputt, dafuer haben wir wieder zwei Schwarzbaeren gesehen. Einer war gleich neben uns ca. 3 Meter von uns entfernt. Beim Zelt aufstellen, bricht dann eine Zeltstange. Zum Glueck haben wir eine Ersatzstange dabei. Neben uns zeltet Chris, der Mann der sich an keinen Huegel in Kanada erinnern kann und nie bremst! Er kommt aus Deutschland und radelt von Phoenix her.
In Moricetown erleben wir unser erstes Gewitter in Kanada. Einmal mehr sind wir froh um unser Tarp. Und ausgerechnet, wenn es regnet, funktioniert der Tumbler des Zeltplatzes nur ungenuegend. Nach drei Durchgaengen haben wir schliesslich auch das letzte Paar Socken trocken.
In Smithers kauft Lukas neue Sandalen und wir essen ein leckeres Subwaysandwich.
In Telkwa (genauer East Quick Road) haben wir unseren ersten Servaskontakt in Kanada. Wir wohnen bei Dina. Sie lebt auf einer fuer Kanada kleinen Farm mit Huehnern, Kuehen und einem riesigen Garten. Das Haus ist wiederum fuer Schweizer Verhaeltnisse abgelegen und wir muessen eine steile, unbefestigte Strasse hochfahren. Dina war Lehrerin, ist jetzt aber pensioniert. Ihr Mann ist Geologe und als wir bei Dina sind grad fuer ca. zwei Monate im Busch am forschen. Sie haben drei erwachsene Kinder. Am ersten Abend nimmt uns Dina grad an eine Party mit, wo etwa 40 Leute eine ganze Sau braeteln. Wir brutzeln lieber unser Veggieschnitzel! Wir lernen Kelly und Mike kennen. Kelly ist Truckfahrer und laedt uns auf eine Tour mit seinem Truck ein und Mike arbeitet bei einer Saegerei und laedt uns ebenfalls fuer eine Tour ein. Erst aber relaxen wir einen Tag bei Dina und gehen mit ihr und 3 weiteren Leuten wandern. Die Wanderung in die Telkwa Mountains ist superschoen, dauert aber mehr als sieben Stunden und ist ganz schoen anstrengend.
Von der East Quick Road nach Houston muessen wir ueber den "hungry hill" radeln. Schon seit Tagen erzaehlen uns die Leute von diesem schlimmen Huegel. In Wirklichkeit ist er 840 Meter hoch und nur halb so schlimm. Das vermutlich Schlimme an ihm ist, dass man ihn von weitem sieht und sehen kann, wie hoch man hinauf muss. Am Nachmittag nimmt uns dann Kelly auf die Truck Tour mit. Am naechsten Tag folgt die Saegereitour. Abends zelten Beth und Tom, zwei Radler aus Amerika neben uns. Die beiden sind pensioniert und das Bemerkenswerte an ihnen ist, dass sie morgens um 5.00 Uhr aufstehen und bereits um 7.00 Uhr losradeln.
Auf dem Weg nach Burns Lake essen wir in Topley einen echt fantastischen "grilled cheese" mit Pommes. Megafettig aber lecker. Auf dem Zeltplatz kurz nach Burns Lake treffen wir Vic und Murray, zwei Radler aus Prince George. Die beiden koennen uns gute Tips fuer die kommenden Tage geben und haben leckeren Whiskey dabei.
Es folgt ein lockerer Tag bis zu einem Zeltplaz zwischen Fraser Lake und Fort Fraser. Am Abend troepfelt es immer wieder leicht. Am naechsten Tag beginnt es am Mittag ca. 2 km vor Vanderhoof heftig zu regnen, so dass wir unser Regenzeug wiedermal anziehen muessen. Zum Glueck kommt grad ein Subway, in den wir uns fluechten koennen. Wir lieben Subwaysandwiches. Seit laengerem haben wir bemerkt, dass das Rad vom Anhaenger nicht mehr rund laeuft. Wir muessen vermutlich das Kugellager ersetzen. Nun versuchen wir dies in Vanderhoof in der Hoffnung dies noch vor Sonntag und Montag (Feiertag, da BC Day) erledigen zu koennen. Es wird leider eine erfolglose Odyssey, denn wir rennen won Bikeshop zu Tyreshop, zurueck zum Bikeshop und in einen Autoteilladen. Fazit: Wir schaffen es, das Rad auseinander zu nehmen, finden aber die passenden Kugellager nicht. Wir muessen es wohl oder uebel am Dienstag in Prince George wieder versuchen und halt bis dann warten...Am Abend treffen wir auf dem Zeltplatz Usge (? wir koennen uns weder genau an seinen Namen erinnern noch wissen wir wie sich das schreibt). Usge ist Japaner und ebenfalls mit dem Rad von Alaska her unterwegs. Er hat ein Zelt, das nicht sehr dicht aussieht. Und tatsaechlich nimmt er am naechsten Morgen den Boden im Zelt mit einem Lappen auf! Das Lustige daran ist, dass er sein Fahrrad mit einer Plane zudeckt. Sein Fahrrad war bestimmt trockener als er selbst! Usge aber nimmt es locker und war gut drauf. Sein Lachen ist unvergesslich...
Wir fahren mit Usge in Richtung Prince George und essen mit ihm an einer Raststaette. Seine Regenjacke ist uebrigens "peanutbutter proof" wie er es selber nennt (beim Ruehren der peanutbutter verspritzte er die gesamte Umgebung). War saulustig! Es sind auch noch drei deutsche Radfahrer in diesselbe Richtung unterwegs. Am Nachmittag gewittert es dann heftig und wir sehen Usge nicht mehr. Erst als wir in unser Motel einchecken, sehen wir ihn ploetzlich wieder vorbeifahren. Das Motel ist genial. Wir koennen es richtig geniessen und fuehlen uns wie im 7. Himmel, waehrend es draussen weiter schuettet...