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23.11.2017 : 12:23 : +0100

Reisebericht Oberitalien 2003

Die Zugfahrt von Bern nach Bellinzona war wiedermal nervenaufreibend. Wir mussten das vollbepackte Tandem und den vollbepackten Veloanhänger in Bern in den Gepäckwagen hieven und in Olten das Ganze wieder raus. Dann gings mit dem ganzen "Karsumpel" die Treppe (in den Lift passten wir leider nicht) runter und auf Gleis 7 wieder hoch. Netterweise gab es dann im Zug nach Bellinzona keinen eigenen Fahrrad-Gepäckwagen, nur ein Fahrrad-Abteil. Wir kriegten das Tandem also nur ganz, ganz knapp durch die normale Türe rein. Naja, ansonsten war die Fahrt mit der Schweizerischen Bundesbahn tiptop.

 

In Bellinzona fuhren wir dann gemütlich auf dem Radwag nach Tenero, wo wir es uns auf dem Campingplatz "Campo di Felice" gemütlich machten. Ein wirklich grosser und teurer Zeltplatz. Dafür direkt am See gelegen und mit guter Infrastuktur. Natürlich genoss ich die neue Freiheit, zog meine Sandalen aus, spürte das feine Gras unter meinen Füssen und wurde gleich zur Begrüssung von einer Wespe in den Fuss gestochen....ein äusserst freundlicher Empfang im Tessin.

 

 

Nach dem ersten Ruhetag fuhren wir dann auf der linken Seeseite des Lago Maggiore in Richtung Verbania. Obwohl die Strasse ziemlich eng war und es doch ziemlich Verkehr hatte, fühlten wir uns auf dem Tandem wohl. Die Autofahrer fuhren diszipliniert und hielten beim Ueberholen Abstand. Zum Mittagessen gabs selbstverständlich eine Pizza. Sie war jedoch sehr gummig und nicht gerade gut. Dafür hatten wir eine herrliche Aussicht auf den See.

 

In Mergozzo quartierten wir uns wiederum auf dem Zeltplatz ein und machten es uns am "Lago di Mergozzo" gemütlich. Der See ist deutlich wärmer als der Lago di Maggiore und seine Campingplätze und Strände sind daher bei Kennern sehr beliebt, zumal er auch als einer der saubersten oberitalienischen Seen gilt. Die Ufer und Berghänge um den See sind zudem nicht so zersiedelt wie rund um den Lago Maggiore. Weil es uns hier so gut gefall hat, blieben wir gleich nochmals ein Nacht.

 

Am nächsten Tag fuhren wir dann entlang dem wunderschönen "Lago d'Orta" und besuchten das berühmte Städtchen "Orta San Giulio".  Vom Haupt-Parkplatz fuhren wir mit dem Tandem über Steinpflaster und dunkle enge Gässchen hinunter den großen zentrale Platz, der Piazza Mario Motta. Am Rande dieses beeindruckenden Platzes aus dem 16. Jahrhundert steht der Palazzo delle Communità, das ehemalige Rathaus, ein Renaissancebau von 1583. Zum Westen hin ist der Piazza Mario Motta zum See hin offen und man bietet einen der schönsten Ausblicke auf die Insel San Giulio und das gegenüberliegende Ufer des Sees.

 

 

Weiter gings dann über einen kleinen Berg zurück zum Lago Maggiore wo wir in Dormelletto auf einem "Wohnwagen-Camping-Platz" unser Zelt aufstellten. War nicht gerade der schönste Platz, aber immerhin hatten wir direkten Zugang zum See.

 

Auf der rechten (Ost) Seite des Lago Maggiore fuhren wir dann wieder hoch bis Luino und bogen nach rechts ab zum Lago di Lugano. Wir fuhren durch ein schönes und ziemlich wildes Tal. Aber leider nur für ein paar Kilometer. Nachdem wir in Ponte Tresa übernachteten fuhren wir weiter nach Como. Leider sind die letzten Kilometer (ab Chiasso) auf dieser Route nach Como nicht wirklich schön. Wir mussten auf der Hauptstrasse fahren. Zuerst lange bergauf, dann lange bergab. Und um uns die Laune noch vollends zu verderben, gings dann in Como nochmals kräftig den Hügel rauf bis zum Zeltplatz. Glücklicherweise waren wir bereits um 17.00 Uhr dort, denn der Zeltplatz füllte sich unaufhörlich. Schlussendlich hatten wir kaum mehr als ein paar Quadratmeter Fläche für uns. Ueberall standen Wohnwagen und Wohnmobile herum. Der Zeltplatz platzte fast auseinander. Irgendwie war es ziemlich lustig.

 

 

Como (85000 Einwohner) ist ein bekanntes Fremdenverkehrszentrum und außerdem ein wichtiges Handelszentrum der umliegenden Agrarregion. Zu den wichtigsten Produktionszweigen zählt traditionell die Seidenfabrikation (seit 1510). Das Bekanntestes Bauwerk ist der Dom (14.-16. Jahrhundert). Da wir wiedermal einen Ruhetag verdient hatten, genossen wir ein bisschen das Stadtleben. Spazieren, Shoppen ohne Geld auszugeben, Essen, Eis schlecken, und, und, und....

 

Da wir nun wieder topfit sind, fuhren wir in Richtung Bellagio. Dieses touristische Dörfchen liegt an der äussersten Spitze der Gabelung, welche den unteren Comersee in zwei Teile trennt. Die Strasse war ziemlich hüglig, doch wurden wir immer wieder von schönen Aussichten auf den See belohnt. Einzig die Hitze machte uns etwas zu schaffen. Das Thermometer kletterte doch auf fast 40 Grad. Aber was solls, immer noch besser als Schnee! Diese Tour ist auf alle Fälle sehr empfehlenswert. Wenig Verkehr und sehr, sehr schön.

 

Am Abend campten wir in Garlate und erlebten ein krasses Sommergewitter. War zum Teil doch ziemlich beängstigend.

 

Die Weiterfahrt nach Clusane, am Lago d'Iseo war tendenziell eher schrecklich. Mangels Alternative fuhren wir nämlich auf der Hauptstrasse nach Bergamo. Das einzig lustige war, dass wir die Autos überholten, das ein kilometerlanger Stau war. Aber das war auch schon alles. Dafür wurden wir dann vom wirklich wunderschönen Lago d'Iseo empfangen. Stellten unser Zelt auf einem Zeltplatz direkt am See auf und gingen in den Swimmingpool baden. Leider konnten wir nicht in den See, dass wegen der Hitze zuviele Algen hatte. War ein eher unschöner Anblick.

 

 

Naja, aber man kann ja nicht alles haben! Auf der linken Seite des Sees fuhren wir dann hoch in Richtung Edolo. Dort müssen wir dann über einen den Aprica-Pass zurück zum Lago di Como radeln. Die Strecke entlang dem Lago d'Iseo war super. Wenig Verkehr und direkt am See. Kann wirklich nicht schöner sein. Dafür fuhren wir dann die letzten 30 Kilometer auf der stark befahrenen Hauptstrasse (was anderes gibt es nicht) nach Edolo.

Und irgendwie schafften wir es dann in einen halben Autobahntunnel rein, welcher eigentlich für Fahrräder verboten war. Aber wir merkten das irgendwie zu spät und konnten dann auch nicht mehr zurück. Aber anstatt dass die Autofahrer und Lastwagenfahrer ein bisschen langsamer gefahren wären, oder sogar hinter uns gewartet hätten, fuhren sie wie die Idioten durch dieses Tunnel und hupten um die Wette. Das hat uns wirklich sehr geholfen....

 

Der Zeltplatz in Edolo war super! Durch den Höhenunterschied wurde es gegen Abend sogar ein bisschen kühler. War sehr angenehm.

 

 

Am nächsten Tag fuhren wir den noch auf diesen Aprica-Pass (1176m) rauf. Ging eigentlich ganz locker. Hinten gings dann mit Schuss runter ins Tal. Zwischendurch mussten wir jedoch eine Zwangspause einlegen, damit sich die Felgen abkühlen konnten. Im Tal empfing uns ein netter und zermürbender Gegenwind. Als wir jedoch zwei andere Tourenradler überholten, welche nervlich am Ende waren, baute uns dies enorm auf....jaja, so fies kann das Leben sein!

 

In Sorico am Lago di Como bauten wir unser Zelt auf und erlebten wiederum ein gewaltiges Sommergewitter. Ist doch immer wieder eindrücklich diese Gewalt. Zum guten Glück können wir uns 100% auf unser Hilleberg-Zelt verlassen. Es hat uns wirklich noch nie im Stich gelassen.

 

Und die letzten Tage radelten wir wieder gemütlich über Motorfano und Agno zurück nach Bellinzona. Leider hatten wir die beiden letzten Nächte ein bisschen Zeltplatz-Pech. Die Plätze waren völlig überfüllt und mit äusserst unangenehmen Zeitgenossen besetzt. Laute Musik und Drogen bis spät in die Nacht hinein.

 

Zusammenfassung: Eine Radtour entlang der Oberitalienischen Seen ist grundsätzlich empfehlenswert. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass man meistens auf den Hauptstrassen unterwegs ist und es manchmal ziemlich viel Verkehr haben kann. Radwege hat es nicht wirklich.

 

Die Zeltplätze sind eher alt, teuer und schlecht ausgerüstet. Leider hat es viele jugendliche Party-Zelter, welche in der Nacht nicht wirklich ans Schlafen denken. Ebenfalls haben mich die Zeltplatz-Griller genervt, mit ihrem ewigen "in die Glut blasen". Tut dem Zelt nicht wirklich gut...

 

Seit der Einführung des Euro ist Italien auch nicht mehr so billig wie früher. Die Preise sind jedoch meistens immer noch günstiger als in der Schweiz.

 

Jawohl, das wäre so alles. Wenn jemand noch Fragen hat, kann er sich ruhig bei mir melden.