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23.11.2017 : 12:24 : +0100

Reisebericht Frankreich 2002

Folgend ein Reisebericht, welcher im SERVAS-Rundbrief erschienen ist.  (www.servas.ch)

 

Gerne berichten wir aus Sicht des SERVAS-Reisenden über unsere fünfwöchige Reise mit dem Tandem quer durch Frankreich.

 

Wir pedalten von Bern über Lyon und Orleans an den Atlantik und wieder zurück. In den letzten Jahren haben wir Reisen mit unseren „halben“ Fahrrädern gemacht. Wir fanden diese Art von Reisen einfach toll. Der Kontakt zur Bevölkerung, das „Spüren“ des Wetters, die optimale Reise-Geschwindigkeit und die ökologische Fortbewegungsart begeisterten uns! Und dann macht man erst noch was für Körper und Geist! Dies sind alles sehr gute Gründe, um mit einem Fahrrad zu verreisen.

 

Doch dieses Jahr entschieden wir uns für eine Reise per Tandem. Zu obgenannten positiven Aspekten kamen jetzt noch weitere dazu! Gemeinsames plaudern, singen und fluchen. Ausserdem erscheint gemeinsames Treten nur halb so anstrengend. Und dies alles bei Sonnenschein und Hitze oder bei Regen und Kälte! Wenn wir nun noch das Zelt und unsere beiden SERVAS-„Letter of Introduction“ in die Radl-Taschen packen, kann es nur noch gut kommen!

 

 

Wir möchten in diesem Bericht jedoch keine Sehenswürdigkeiten aufzählen (diese könnt ihr in jedem guten Reiseführer selber nachlesen), sondern von unseren Begegnungen mit Menschen. Grundsätzlich können wir von den Franzosen (abgesehen vom Fahrstil und der vegetarischen Küche) nur gutes berichten. Mehrmals hielten Fahrzeuge mitten auf der Strasse (sogar der Kreuzung) an, um unser Vehikel (Tandem mit Veloanhänger) zu bestaunen und kurz zu plaudern. Einmal wendete sogar ein Fahrer zweimal (!) um uns hupend und händewinkend zu überholen.

 

Wir haben auf unserer Reise auch zwei tolle ServasgastgeberInnen kennengelernt. Fabien H. war unser Gastgeber in Lyon. Er erwies sich selber als fahrradbegeistert und organisierte, ohne unser Wissen, einen Journalisten, der uns in seinem Garten, bei kühlem Weisswein und Oliven, über unsere Reise und die Unterschiede zwischen Frankreich und der Schweiz in Bezug auf Radwege befragte. Wir lobten selbstverständlich die vorbildlichen Fahrrad-Wege in der Schweiz. In Frankreich sind Radwege sehr selten und wenn es mal welche hat, werden sie meistens von Fahrzeugen als Parkplätze missbraucht!

 

 

Fabien selber wollte natürlich unbedingt das Tandem selber ausprobieren und so erkundeten wir zu dritt Lyon. Am Abend fuhren wir auf einer halsbrecherischen Auto-Fahrt quer durch Lyon auf einen Hügel, wo wir das Feuerwerk des 14. juillet bestaunen konnten.

 

In Sorbiers übernachteten wir bei unseren zweiten Servas-Hosts! Jean und Ghislaine B., die leider sehr selten SERVAS-Besuch erhalten. Dies ist jedoch auch nicht sehr erstaunlich, da Sorbiers nicht gerade in einer Touristen-Region liegt und eher schwer zu erreichen ist. Wir fanden auch schnell heraus, weshalb: die beiden wohnen sehr abseits zuoberst an einem steilen Hügel. Es war das einzige Mal, das wir unser Tandem schieben mussten. Doch die Mühe hatte sich gelohnt. Die beiden empfingen uns bei schrecklichem Wetter äusserst herzlich. Die Diskussionen mit den beiden waren sehr anregend und spannend. Fast wären wir noch eine Nacht geblieben, denn das Wetter zeigte sich am nächsten Morgen noch immer von der schlechten Seite und es war so gemütlich. Jean war übrigens auch ein begeisterter Fahrradfahrer und überraschte uns mit etwa 10 verschiedenen Fahrrädern in seinem Keller. Zum Abschied bedankte ich mit mit einem herzlichen „merci pour votre hospitalisation“! Die beiden Servas-Hosts konnten sich fast nicht mehr erholen vor lachen. Korrekt wäre natürlich „hospitalité“ gewesen. Aber eben, wenn man Servas reist lernt man(n) ja immer dazu.

 

 

Da wir selber leidenschaftliche Servas-Gastgeberin Bern sind, konnten wir auf unserer Reise durch Frankreich wiedermal die andere Seite geniessen. Die SERVAS-Bekanntschaften sind halt schon toll! Da wir jedoch auch fanatische Zeltler sind, übernachtetenn wir die restliche Zeit immer in unserem Zelt.

 

Es ist klar, wir bleiben weiterhin SERVAS-Host und SERVAS-Traveller. In unserer Multikulti-Gesellschaft wird das Verstehen von anderen Kulturen, Sprachen und Menschen immer wichtiger. SERVAS ist ein tolle Art, dieses Verständnis aufzubauen, zu stärken und weiterzugeben.